Analoge Albträume: Adam Tristar lässt mit „VHS Horror Tape“ die Schatten tanzen

Es gibt Sounds, die sich nicht nach digitaler Perfektion anfühlen, sondern nach verstaubten Dachböden, flackernden Röhrenfernsehern und der unbestimmten Angst, die einen beim Zurückspulen einer alten Videokassette beschleicht. Adam Tristar hat genau dieses Gefühl destilliert. Sein neues Album „VHS Horror Tape“, das gestern am 23.01.2026 über das unverwüstliche spanische Label Oraculo Records erschienen ist, ist genau das, was der Titel verspricht: Ein akustischer Slasher.

Die Ästhetik des Rauschens

Wer Adam Tristar kennt, weiß, dass der Amsterdamer kein Freund von poliertem Pop-Kitsch ist. Auf „VHS Horror Tape“ treibt er seinen Signature-Sound aus Minimal Synth und Cold Wave auf die Spitze. Die Beats sind trocken, fast schon klaustrophobisch, während die Synthesizer-Lines wie Neonlicht durch dichten Nebel schneiden.

Oraculo Records beweist mal wieder ein goldenes Händchen für die dunklen Perlen der elektronischen Unterwelt. Das Album fügt sich nahtlos in den Katalog des Labels ein, das wie kaum ein anderes für Qualität zwischen EBM-Kante und melancholischer Wave-Eleganz steht.

Tracks für die ewige Nacht

Schon die ersten Tracks machen klar: Hier wird nicht lang gefackelt. Die Bassläufe pumpen stoisch, während die Vocals tief in Hallräumen vergraben liegen – ein Echo aus einer Zeit, in der Horrorfilme noch auf grobkörnigem Zelluloid gebannt wurden. Besonders hervorzuheben ist die cineastische Dichte des Albums. Man wartet förmlich darauf, dass hinter der nächsten Ecke ein maskierter Unhold auftaucht, während man im Club zu den unterkühlten Rhythmen die Realität vergisst.

Highlights des Albums:

  • Analoge Kälte: Die Produktion atmet den Schmutz der 80er, ohne dabei wie eine bloße Kopie zu wirken.
  • Tanzbare Melancholie: Trotz der düsteren Thematik besitzen viele Stücke einen Groove, dem man sich auf dem Dancefloor nicht entziehen kann.
  • Konsequentes Konzept: Von Artwork bis Sounddesign zieht sich der rote Faden des „VHS-Horrors“ kompromisslos durch.

Fazit

Adam Tristar hat mit „VHS Horror Tape“ ein Album abgeliefert, das perfekt in die aktuelle Zeit passt – eine Flucht in die nostalgische Düsternis, die gleichzeitig frisch und gefährlich klingt. Für Fans von spröden Wellenformen und nächtlichen Exzessen ist dieses Release ein Pflichtkauf.

Packt eure Lederjacken aus, dimmt das Licht und lasst die Bandmaschine laufen. Das hier ist der Soundtrack für euren persönlichen Underground-Film.

Adam Tristar auf Bandcamp

Die Vinyl gibt es über Oraculo-Records

Lykanthrope

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