Incirrina – Trace Darkwave aus Athen

Athen ist nicht die erste Stadt, die einem einfällt, wenn man an Darkwave denkt. Aber vielleicht sollte sie es sein.

Incirrina beweisen mit ihrem dritten Album „Trace“ erneut, dass die griechische Hauptstadt eine der spannendsten Adressen für dunkle, elektronische Musik geworden ist. Elf Tracks, die zwischen Minimal Synth, Coldwave und purer Atmosphäre pendeln, erschienen über ein Label, das in unserer Szene längst ein Qualitätssiegel ist: Cold Transmission Music.


Aus Athen in die Dunkelheit, wer sind Incirrina?

Incirrina ist ein Dark-Electronic-Synth-Duo, das 2017 von George Katsanos und Irini Tiniakou gegründet wurde und in Athen, Griechenland, beheimatet ist. Katsanos liefert die instrumentale Architektur, analoge Synthesizer, Drum Machine, Bass, Samples und mehr, während Tiniakous Gesang dem Ganzen seine emotionale Mitte gibt.

Die Stimme von Irini verbindet nahtlos Energie und Leidenschaft mit Poesie und Theatralik. Superdynamisch und zugleich zerbrechlich, in einer Fusion aus kalten Synthesizern, pulsierenden Beats und einem Gesang, der zwischen warmen Melodien und kraftvollen Schreien oszilliert und nicht nur den Hörer erreicht, sondern durch die musikalischen Schichten schneidet und einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Das Duo hat sich seinen Ruf hart erspielt. Auftritte in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Kroatien, der Slowakei, Österreich, Tschechien und Ungarn, dazu Festivals wie das Morphic Festival, das Cold Transmission Festival und das Death Disco Festival. 2023 standen sie als Vorband für die Elektronik-Pioniere Front 242 auf der Bühne.

Ihr Debütalbum „8.15″, inspiriert von der Poesie des romantischen Dichters William Blake, erschien 2019 über Geheimnis Records. 2022 folgte „Lip Led Scream“, veröffentlicht zeitgleich mit ihrem Auftritt beim Cold Transmission Festival. „Trace“ ist nun der dritte Longplayer und der bislang reifste.


Trace, eine Spur durch Transformation und Widerstand

Der Titel ist Programm. „Trace“, die Spur, das, was bleibt, wenn alles andere vergeht. Das Album versteht sich als Suche, nach bedeutsamen Ablenkungen, nach neuen Verwandlungen, nach flüchtigen Akten der Fürsorge und des Widerstands. Die Band selbst formuliert ihr Selbstverständnis denkbar klar: keine Künstler, sondern Handwerker und Freunde, die gegen die Widrigkeiten Musik machen, sie teilen und sich immer wieder neu erfinden.

Diese Haltung hört man. „Trace“ klingt nicht kalkuliert, sondern gewachsen, ein Album, das seine Dunkelheit nicht inszeniert, sondern bewohnt.

Die letzte Single „ΚΡΥΦΟ (Hidden)“ zeigte bereits, wohin die Reise geht: Synthesizer, die mit einer Beschwörung gotischer Trauer fluten und ebben, Tiniakous Gesang in ihrer Muttersprache Griechisch, so lebendig, getragen von einer beharrlichen Gitarre, die sich zu einem Wirbel aus Gesang und Instrumenten aufbaut. Ein Track, der an das Xmal Deutschland der 80er erinnert, besonders durch die Anklänge an Anja Huwes Gesangsstil, dabei aber weit moderner, mit einer glatten elektronischen Ausrichtung.


Die Tracks und die Köpfe dahinter

Das Album bewegt sich über elf Stücke hinweg durch verschiedene Stimmungslagen, vom Opener „Mutate“ über die hypnotischen Mittelstücke „Region“, „Always Here“ und „Diver“ bis zum atmosphärischen Abschluss mit „Sometimes“, „Alien Room“ und dem griechischsprachigen „ΚΡΥΦΟ (Hidden)“.

Aufgenommen und gemischt wurde das Album von Dimitris Dimitriadis in den Zero Gravity Studios, das Mastering übernahm Anestis Psaradakos im Athens Mastering. Die Texte stammen von Konstantinos Londos, das Artwork von uBu Dancer. Entstanden sind die Songs zwischen 2023 und 2025 in Athen und Nea Makri.


Tracklist

  1. Mutate
  2. Find
  3. Alexia
  4. She Is in the Dream
  5. Region
  6. Always Here
  7. Diver
  8. Presence
  9. Sometimes
  10. Alien Room
  11. ΚΡΥΦΟ (Hidden)

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Fazit: „Trace“ ist ein Album, das sich Zeit nimmt und genau dadurch wirkt. Incirrina haben in Athen einen Sound gefunden, der zwischen 80er-Minimal-Synth-Tradition und zeitgenössischer Darkwave-Eleganz balanciert, getragen von einer Stimme, die man so schnell nicht vergisst. Wer Cold Transmission als Label vertraut, wird auch hier nicht enttäuscht.

Wertung: 9/10 🖤

Lykanthrope

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